Arzthaftung & Arzthaftpflicht

Angesichts immer größerer Konstrukte im niedergelassenen Bereich, wie medizinischen Versorgungszentren, gewinnt in der Rechtsprechung der Organisationsfehler an Bedeutung, da der Zusammenschluss mehrerer Ärzte und damit einhergehender steigende Personalverantwortung die Komplexität der Abläufe erhöht. Oftmals resultieren aus organisatorischen Missgeschicken konkrete, zum Teil desaströse, Behandlungsfehler. Diese lassen sich durch Prozessmanagement und -optimierung sowie ein Bewusstsein für die Bedeutung der Organisationspflicht vermeiden. Nicht zuletzt ist der adäquate Berufshaftpflichtversicherungsschutz entscheidend für die Sicherung der Existenz.

Koordinationsfehler bei der postoperativen Überwachung
Bei einer ambulanten Operation aufgrund eines Postdissektomie-Syndroms wurde der Patient in Dämmerschlaf versetzt und nicht an dem Operationstisch fixiert. Am Ende der Operation verließ der Anästhesist den Raum, um im Nachbarraum ein blutdrucksenkendes Medikament zu holen, die OP-Schwester sortierte die Instrumente und der Operateur wandte sich dem Bildwandler zu. Zeitgleich regte sich der narkotisierte Patient und fiel vom OP-Tisch. Folge waren eine Schädelfraktur mit subduralem Hämatom sowie dauerhafte schwere geistige und physische Beeinträchtigungen. Der Sachverständige argumentierte in seinem Gutachten, dass neben der schriftlichen Absprache zwischen Operateur und Anästhesist bezüglich der Überwachung der Anästhesist für eine lückenlose Überwachung hätte sorgen müssen. Der Anästhesist hat die übergeordnete Aufsichtspflicht über den narkotisierten Patienten und hätte vor Verlassen des Raumes die Kontrolle während seiner Abwesenheit sicherstellen müssen. Somit lag eine unzureichende Kommunikation und Koordination vor. Das Verhalten wurde als grob fehlerhaft eingestuft. Gegen den Chirurgen und die OP-Schwester wurde das Verfahren zwar nach Zahlung einer Geldstrafe eingestellt, doch auch Beteiligte müssen zum Wohl des Patienten handeln, um fehlerhaftes Verhalten zu vermeiden bzw. notfalls eingreifen.

Directors & Officers Liability

Leitende Organe von Medizinischen Versorgungszentren benötigen eine Directors- and Officers-Versicherung. Diese individuell angepassten Policen stellen als persönliche Berufs- und Vermögensschadenhaftpflichtversicherung eine Minimierung des persönlichen Haftungsrisikos für leitende Angestellte dar.

Versicherungsnehmer ist in der Regel das MVZ und versicherte Personen sind die jeweiligen MVZ-Leiter. Die Prämie zahlt in der Regel das Unternehmen. Selbstbehalte ermöglichen eine Reduktion der Beitragsbelastung.